Interview mit Tadeusz Szewczyk

Yannick Eckl: Hallo Tadeusz! Schön, dass Du Zeit für ein Interview hast. Auch, wenn Dich sicherlich ein paar Leute kennen: Stell Dich doch bitte einmal kurz vor!

Tadeusz Szewczyk: Hallo, ich bin Tadeusz Szewczyk alias onreact bzw. onreact.com. Ich bin gebürtiger Pole, lebe aber seit über 20 Jahren in Deutschland. Ich habe Amerikanistik und europäische Ethologie studiert, gern auch als Cultural Studies bezeichnet. Ich bin seit 1997 im Internet unterwegs bzw. mit Online Publishing beschäftigt. 97 habe ich angefangen literarische Texte zu veröffentlichen. Später auch im Sinne der Netzliteratur und auch der NetArt. Ich habe etwa interaktive Texte mit JavaScript und DHTML erstellt so ab 99. 99 begann ich auch in Agenturen als HTMLer zu arbeiten. Zuerst als Praktikant und dann als Frontend-Entwickler vollzeit in einer großen Agentur, für allerlei Konzerne wie Quelle, Siemens oder Adidas.

So ab 2001 habe ich angefangen mit einer Art Graswurzel-Journalismus, da bin ich dann auf Demos oder Kongresse und habe mit Digicam und Mikro Fotos und Interviews aufgenommen und im Netz für lau veröffentlicht. 2003 hatte ich genug davon, und hab erstmal ein wenig zurückgeschaltet und angefangen zu bloggen. In der Zeit war ich auch Flash-Developer merkte aber, dass es nichts ist. Da habe ich auch ein Kunstfestival in Berlin auf die Beine gestellt. Im Oktober 2004 bin ich dann eher durch Zufall an einen SEO Auftrag geraten und lernte dabei das Handwerkszeug ziemlich schnell und blieb dabei als Freiberufler.

Zwischendrin war ich immer mal wieder als semi. oder professioneller Blogger tätig oder unterwegs. Ich habe etwa für die Ver.di Jugend im Bundestagswahlkampf eine Blog-Plattform konzipiert und betreut. Das waren so 30-50 Jugendgruppen bundesweit und fast alle haben einen Blog aufgesetzt und deren Beiträge sind auf einem zentralen Portal zusammengekommen. Währenddessen und später schrieb ich vor Allem ehrenamtlich für Phlow.net und Enjoy Surveillance. Ich schreibe immer noch unregelmäßig für einige Blogs und Websites wie Google Blogoscoped oder CSS Globe.

Nebenher schreib ich manchmal für die DE:BUG oder Heise Telepolis wenn ich Zeit finde. Zuletzt habe ich im Search Marketing Standard einen Artikel für den deutschen Suchmaschinen-Markt veröffentlicht und vor 2 Monaten einen eigenen SEO Blog auf Englisch begonnen: SEO 2.0 Ach so, ich bin auch seit ca. 2006 sehr aktiv gewesen bei Web 2.0 Seiten wie Lycos IQ, Gutefrage.net bzw. Yigg.de oder SEOigg. Zuletzt aber mehr bei Sphinn und StumbleUpon weil mir Deutschland zu klein geworden ist.

Yannick Eckl: Keyworddichte; ist dieses Thema eigentlich noch aktuell?? Oder ist das etwas, was nur die Ersten SEOs überhaupt beachten?

Tadeusz Szewczyk: Die ersten SEOs? Du meinst Neulinge? Oder quasi die A-SEOs also Profis? Mit Keyworddichte verhält es sich ein wenig wie mit Metatags oder der Suchmaschinenanmeldung. Sie waren irgendwann mal wichtig und die Leute glauben immer noch daran. Zwar ist sie nicht ganz weg vom Fenster aber sie ist nur ein Faktor unter etlichen. Sie sollte keinesfalls im Mittelpunkt einer Optimierung stehen. Ich habe eine Faustregel nach der ich konventionell optimiere. Sie lautet: Jede Seite wird am besten für ein Keyword optimiert aber nicht mehr als drei. Ich meine also ein Unterseite, nicht die ganze Website. Auf der Unterseite sollte das Keyword im Titel, in einer Headline und 3 mal im Text vorkommen. Am besten am Anfang, in der Mitte und am Ende. Das hilft nicht nur für Google sondern auch ungemein einen Text zu foussieren. Sonst läuft man Gefahr über Adam und Eva zu faseln statt zum Punkt zu kommen. Allerdings verlache ich diese ganzen Überzeugungen eine Keyword-Dichte müsste in Prozenten berechnet oder gemessen werden. Dann am besten 3% oder gar 10% betragen. Das ist alles Humbug. So funktioniert Google nicht. Die Grenze zum Keyword Stuffing also einer Art Suchmaschinen-Spam ist dann fliessend.

Man sollte immer für Menschen schreiben und der Text sollte sich natürlich und verständlich anhören. Denn was nützt es wenn ein User auf die Seite kommt und nur Bahnhof versteht? Er klickt doch gleich weg. Wer nun aber meint SEO ist böse und bloss keine Keywords benutzen der irrt aber auch. Google ist ein dämlicher Automat. Wenn da im Text nicht Rose steht wird er kaum eine Rose finden. Und wenn die Rose ein Sinnbild ist wie in der Lyrik ist er schon völlig überfordert. In meinen Nicht-SEO Projekten mache ich mir oft einen Spaß daraus Metaphern zu benutzen damit die Leute die per Google etwas suchen auch mal etwas neues entdecken.

Yannick Eckl: Dieses Keyword-Stuffing hört sich schon wieder kräftig nach einer miesen Methode an; gibt es viele, die das so praktizieren? Und inwiefern kann Google oder eine andere Suchmaschine dagegen vorgehen? Bzw. wie tuen sie es zur Zeit.

Tadeusz Scewczyk: Wer das heute noch macht der ist schlicht von Gestern. Ich sehe das ja an meinen Anfragen. Leute deren Seiten im Keller sind wollen ein Angebot von mir und schreiben oder sagen so Sachen wie „ich habe da schon ein wenig mit verstecktem Text optimiert“ oder „ich habe da einen Generator laufen lassen mit Stichworten“. Ich will ja keinen beleidigen, ich habe ja auch keine Ahnung vom Fischen oder Molekularbiologie. Ich weiß dann immer nicht ob ich lachen oder weinen soll. Kann sein, daß es mal was gebracht hat, das war aber wohl vor meiner Zeit.

Es gibt ja noch einige erfolgreiche Suchmaschinen-Spammer soweit ich mitbekommen habe, die arbeiten aber nicht mit solch kindischen Methoden. Viele SEO-Anfänger meinen aber zuviel des Guten machen zu müssen. Überoptimierung nennt sich das. Es gibt doch im Web einen Haufen Tools die einem die Keyword-Dichte analysieren. Wenn die das können dann kann Google das auch. Und was zuviel ist wird herausgefiltert. Grundsätzlich ist es so, dass keine Suchmaschinen-Spam Methode sich lange halten kann. Sie funktioniert eine Weile und dann nicht mehr. Wer langfristig eine Website optimieren will der tut es von Anfang an korrekt. Daher arbeiten Spammer auch mit sog. Wegwerf-Domains. Ist die eine aus dem Index folgen x weitere.

Yannick Eckl: „Ohne“ SEO zum Erfolg; setzt da vielleicht auch dein neuer Blog „SEO 2.0“ an? Sind die neuen Wege, wie etwa SMO, viel nutzvoller?

Tadeusz Scewczyk: Ganz und gar nicht. Da muss man eben unterscheiden. Jede/r der einen Shop hat, ganze Branchen und in Deutschland die meisten Webmaster brauchen es nach wie vor. Die Early Adopter die überlegen wie im Netz sie möglichst viele Menschen erreichen können, die können auf Google als Zwischenhändler verzichten. Obgleich das auf deutsch ungleich schwerer weil hier das Social Web schon untergeht bevor es sich richtig entfalten konnte. Wer zum Beispiel Fotograf oder Designer ist, von der Sprache also teils oder großteils unabhängig der kann sich den ganzen Mist sparen. Insbesondere Fotografen können im Handumdrehen berühmt werden dank Web 2.0

Yannick Eckl: Okay! Ich wünsche Dir noch viel Erfolg mit Deinen Projekten! Ciao!

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